Die Neuerscheinungen

Mirko Bonné
Brief an Dionysis Kapsalis

Offener Brief
Deutsch und Griechisch
Übersetzt von Kostas Kosmas
Edition Romiosini
Berlin 2022
ISSN: 2510-1692.
Das Buch
„Lieber Dionysis Kapsalis,

es ist ein Montagnachmittag in Südfrankreich, an dem ich meinen Brief an Sie beginne. Ich grüße Sie von Herzen.
Ich will Ihnen einiges zu Ihren Gedichten schreiben, wie ich sie verstehe, Ihnen jedoch auch von mir erzählen und die Gelegenheit nutzen, meinen Blick auf die Poesie in Worte zu fassen. Sie werden feststellen, dass dies alles andere als theoretisch vonstattengeht.“

So beginnt Mirko Bonné seinen Offenen Brief an den griechischen Dichter Dionysis Kapsalis, mit dem die namhafte Reihe der Edition Romiosini fortgesetzt wird. Bonné schreibt über den Alltag im sommerlichen Luberon, über Lektüren und Übersetzungen und natürlich über die vielfältig bewunderten, so eigenen Gedichte des griechischen Dichters.

 

Elis in Venedig
Die frühen Gedichte
Schöffling & Co.
Frankfurt am Main 2022
Umschlagcollage von Mirko Bonné
ISBN: 978-3-89561-346-3.
Das Buch

 

Das mehr als zwanzig Jahre umspannende lyrische Frühwerk des vielfach ausgezeichneten Dichters und Erzählers Mirko Bonné spielt mit »Trojanern«, »Homevideos« und einem »schwebenden ABC«, durchmisst Orte voller »Blechmüll« und »Werftschrott« in Landschaften, »wo Kinder nach Patronen graben« und die »Gedächtniseingreiftruppe« »lichterlohe Amseln« ins »Herzland« bannt. Die Gedichte feiern »Lebendigkeitsmomente«, begehen »Anschläge auf die Ordnung« und erinnern daran: »Unsere Worte waren zu lang / auf Reisen. / Es wird wieder Zeit für Besuche.«
Elis in Venedig versammelt neben sämtlichen von 1990 bis 2004 verstreut erschienenen Gedichten die frühen, in den vergriffenen Bänden Langrenus (1994), Gelenkiges Geschöpf (1996) und Hibiskus Code (2003) veröffentlichten Gedichte eines Meisters der Vergegenwärtigung. Seine sprachmagische Dichtung sei »voller Volten und von einer hoffnungslosen Sinnlichkeit«, bescheinigte ihm Helmut Böttiger im Deutschlandfunk Kultur. Von Elis in Venedig führen die Linien seiner an Georg Trakl und Günter Eich geschulten, auf E. E. Cummings und Sylvia Plath antwortenden, Marc Aurel und Paul Celan nachhörenden Poetik zu den gefeierten Gedichtbänden Traklpark (2012) und Wimpern und Asche (2018). Das Titelgedicht widmet sich Georg Trakls Reise nach Venedig im Sommer 1913:

Elis in Venedig

1913 stehen Elis und ein Lancia
am Meer, Elis im einteiligen Badeanzug,
schwarz, und im Kopf Kokain. Immer ein Bild:
Zwei Rappen schwimmen und ertrinken.
Er starrt eine Zeit abwesend
auf das blausilberne Automobil,
der Lancia umlagert von Buben
in der Sonne der Lidostraße.
Bis Loos-Luzifer ruft: „Chianti!“
und eine Hand Sand wirft.
Lässig geht er mit, sie fahren.
Sein Zimmer starrt von Insekten.
Er rennt sofort wieder hinaus,
durchs Gras über dem Steinstrand,
und rennt zwei Badegäste um
im Glauben, er habe ein Messer.
Im nächsten Augenblick,
eine einzelne weiße Hand
flöge ihm hinterher, die
Steilküste lang.

 


Mary MacLane:
ICH. Aufzeichnungen
aus meinem Menschenleben

Deutsche Erstausgabe
Aus dem Englischen und
mit Anmerkungen von
Mirko Bonné und Ulrike Draesner
Philipp Reclam jun., Stuttgart 2021
ISBN: 978-3-15-011319-6
Das Buch

 

Mary MacLane wünschte sich mit 19 Jahren nichts sehnlicher, als die Enge ihrer Heimatstadt in der us-amerikanischen Provinz zu verlassen. Mit 36 Jahren kehrte sie nach Montana zurück – eine turbulente und glamouröse Zeit in den Künstlerkreisen an der Ostküste liegt hinter ihr. Ihre Heimatstadt Butte hat sich nicht verändert, und doch ist nichts mehr wie zuvor.
MacLane wendet sich der Form des Tagebuchs zu und scheint darin ihr jüngeres, naiveres Ich unmittelbar anzusprechen. Immer wieder parodiert sie sich selbst mit melancholischer Ironie und legt eine so illionslose wie unterhaltsame Ich-Inventur vor.
Ein Buch über die Herausforderung des Menschen, in der Einsamkeit »Ich« zu sagen und »Ich« zu sein.

»Letzten Endes bin ich eine ausdrücklich vernünftige Frau. Nur dass Vieles, worauf ich in meinem Inneren stoße, knirscht, unerklärlich ist und nicht zusammenpasst. Ich bin so verlassen, als hätte ich keinen menschlichen Platz auf dieser Erde. Meine Tage sind so still, als lebte nur ich auf der Welt.« – MARY MACLANE

 

Seeland Schneeland
Roman
Mit einem Umschlagbild
von Jochen Hein
Schöffling & Co.
Frankfurt am Main 2021
ISBN 978-3-89561-410-1.
E-Book: 978-3-73176-189-1.
Das Buch

 

Wales, 1921: Der Erste Weltkrieg und die Spanische Grippe haben gewütet, Europa ist am Boden. Der junge Merce Blackboro ist dem Fronteinsatz in der Antarktis entgangen, leidet jedoch seit seiner Rückkehr von Shackletons gescheiterter Endurance-Expedition unter der heimischen Enge. Umso mehr, als Ennid Muldoon, die Liebe seines Lebens, eines Tages fluchtartig verschwindet, um ihr Glück in Amerika zu suchen. Mit ihr auf demselben Auswandererschiff reist inmitten der Elenden Europas der Tycoon und Trinker Diver Robey, der von einer Flugverbindung zwischen der alten und der neuen Welt träumt. Als der Dampfer in einen gewaltigen Schneesturm gerät und manövrierunfähig auf offener See treibt, scheinen sich die Hoffnungen aller – ob arm oder reich – zu zerschlagen. Merce muss einen Weg finden, Ennid und damit sich selbst zu retten.

In seinem für den Alfred-Döblin-Preis nominierten Roman erzählt Mirko Bonné kraftvoll und mitreißend von der verzweifelten Sehnsucht einer Zeit hundert Jahre vor unserer eigenen zerbrechlichen Gegenwart.