Die Neuerscheinungen


John Keats:
Endymion. Eine poetische Romanze

Aus dem Englischen übersetzt
und mit Anmerkungen von Mirko Bonné
Mit einem Vorwort von Jan Wagner
Zweisprachig engl. u. dt. – Verlag
Das kulturelle Gedächtnis, Berlin 2018
Lim. dt. Erstausg. ISBN: 978-3-946990-25-3
Vorzugsausgabe im Schuber, nummeriert,
signiert ISBN: 978-3-946990-26-0
Das Buch
200 Jahre nach der Erstveröffentlichung: der so eigentümliche wie bestrickende Versroman »Endymion« erstmals komplett auf Deutsch.

»Ein Ding von Schönheit ist ein Glück für immer:
Es nimmt noch zu an Liebreiz; es wird nimmer
Ins Nichts vergehn«.

Nach dem so berühmten wie rätselhaften Auftakt von John Keats’ gut 4000 Verse umfassendem Epos »Endymion«, das 1818 in London erschien, entsteht Zeile für Zeile, Paarreim für Paarreim eine antike ländliche Szenerie. Die Hirten versammeln sich um einen Altar und beten zu Pan. Während die Jungen singen und tanzen, unterhalten sich die Älteren über ihre Vorstellungen vom Jenseits. Endymion allerdings, der „hirnkranke Hirtenfürst“, ist in einem tranceähnlichen Zustand. Was plagt ihn? Seiner Schwester Peona erzählt er von einem Traum, in dem er der ihm fremden Cynthia begegnet ist und sich unsterblich in sie verliebt hat – ohne zu ahnen, wer sich hinter Cynthia verbirgt.
Eines der Lebensthemen des englischen Romantikers John Keats hat sich mit Macht den Stoff einer Handlung und Erzählung gesucht: Wie lässt sich das Verhältnis von Traum und Wirklichkeit, Phantasie und Realitätssinn, von Fiktion und Fakten sprachlich, insbesondere poetisch, darstellen?

Mirko Bonné, dessen Keats-Ausgabe „Werke und Briefe“ seit 1995 unveränderte Gültigkeit besitzt und durch ihre sprachliche Eleganz noch immer Lesergenerationen für sich einnimmt, hat 26 Jahre lang an der Übertragung von John Keats‘ Versroman gearbeitet. Über 4000 paargereimte, im fünfhebig jambischen Versfuß gehaltene Zeilen bilden den Puls dieses noch heute überaus erstaunlichen poetischen Himmelfahrtskommandos.

John Keats wurde 1795 als Sohn eines Mietstallpächters im Londoner Vorort Finsbury geboren. 1816 fand er Einlass in die antirestaurative Bohème um Hunt und Shelley. Verspottet als „Cockney“-Poet, schrieb er in den folgenden fünf Jahren Dichtungen und Briefe, die ihn zum bedeutendsten englisch-sprachigen Dichter nach Shakespeare und Milton machten. 1821 starb er 25-jährig in Rom an der Schwindsucht, einer Lungentuberkulose. „Here lies One Whose Name was writ in Water“ – sein Grabspruch auf dem protestantischen Friedhof ist der Bitternis seines Lebens gewidmet, ist aber auch die Erkenntnis dessen, was Keats „negative capability“ nannte: die Befähigung des poetischen Menschen, jedem Ereignis im „Tal der Seelenbildung“ offen und mutig entgegenzutreten.

 

Wimpern und Asche
Gedichte
Schöffling & Co.
Frankfurt am Main 2018
Großformat
Umschlagbild von Wiebke Herrmann
ISBN: 978-3-89561-409-5.
Das Buch
»Es gibt sie noch: Poeten, die sich mit existenziellem Ernst den Lebensfragen widmen«, schrieb Dorothea von Törne in der Literarischen Welt über Mirko Bonnés Band Traklpark von 2012. Mit Wimpern und Asche, einer Sammlung von Gedichten aus den letzten sechs Jahren, bestätigt Bonné, dass er zu den eigenständigsten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartslyrik zählt.
Subtil und präzise widmen sich die Gedichte der Darstellung der Schönheit wie der Zerstörung unserer Welt. Landschaft ist ebenso ein sprachmusikalisches Thema wie die Liebe oder die Darstellung historischer Figuren, so Dürer oder Gryphius. Wie leben wir heute, und was hat unser global life eigentlich noch am Hut mit Poesie? Ist Poesie notwendig, muss Poesie notwendig sein? Ist das Gedicht eine politische Größe? Lässt sich die Plastikverseuchung der Ozeane überhaupt anders darstellen als durch Poesie? In überraschender grafischer Gestalt und kunstvoll gegliederten Kapiteln entfalten Bonnés Gedichte einen Lesefluss, der in eine erfahrungssatte Lektüre hineinzieht. Diese Gedichte suchen ihresgleichen, sie lassen einen lange nicht los.

An einem grauen Stuttgarter Mittag

Endlose Treppen vom Olgaeck
hinauf zur Zimmermannstraße.

Bestimmt war das früher mal ein
Weinberg, und Weinbergpferde

trotteten hier so wie jetzt wir.
ES IST LIEBE hatte jemand dünn

an eine Betonwand gesprüht. Da,
ein weißer Engel, der beugte sich

über einen Brunnen ohne Wasser.
Asia-Imbiss und Nagelstudio. Felder

mit wilden Birnbäumen voller Disteln
lagen hier mal. Schiller im Gras. Und

der junge Hölderlin mit blonder Mähne
bis sonstwo. Diese silbernen Sommer.

Aber wohl kaum schöner, wie auch.
Das Gras war dasselbe. Das Grau

oben am Himmel. Die Zärtlichkeit,
die fehlt, bis du sie spürst, bis du

spürst, du lebst, sie war dieselbe,
die Abgestorbenheit ist nur Gerede.

 


Grace Paley:
Manchmal kommen
und manchmal gehen

Gedichte
Ausgewählt, übersetzt aus dem Englischen
sowie mit Glossar und Nachwort versehen von Mirko Bonné
Schöffling & Co.
Frankfurt am Main 2018
ISBN: 978-3-89561-238-1
Das Buch
»Man begegnet einander im Freien, im Licht, und das Gespräch mit Grace Paley und ihren Gedichten ist stets voller zurückhaltender Zugewandtheit, einer Leichtigkeit, die ihre Tiefe nicht zur Schau stellt, sondern tief ist.« In seinem Nachwort bewundert der Übersetzer Mirko Bonné die Schlichtheit und Angreifbarkeit der Lyrik der bedeutenden US-amerikanischen Erzählerin, Dichterin und Bürgerrechtlerin. „Manchmal kommen und manchmal gehen“ enthält ausgewählte Gedichte von Grace Paley, die von 1985 bis 2008 veröffentlicht wurden. Sie spiegeln das New Yorker Alltagsleben und das Leben auf dem Land in Thetford, sie erzählen vom Leben der Einwanderer und ihrer Assimilierung, sprechen von Liebe und Geschlechterkonflikten, von Kindern und dem Alter, versöhnen Technik, Politik und Natur. Mirko Bonné arbeitete zehn Jahre lang an den Übertragungen der Gedichte und ihres so natürlich wirkenden Parlando-Tons. „Manchmal kommen und manchmal gehen“ beschließt die vierbändige Gesammelte-Werke-Ausgabe mit Büchern von Grace Paley im Verlag Schöffling & Co.

 


Henry James:
Vier Begegnungen

Erzählungen
Aus dem Englischen übersetzt
und herausgegeben von Mirko Bonné
Mit Glossar und Nachwort
mareverlag
Hamburg 2018
ISBN: 978-3-86648-271-5
Das Buch
Frühes Talent und spätere Meisterschaft – beides zeigt sich in den vier Erzählungen von Henry James, von denen zwei in diesem Band erstmals auf Deutsch erscheinen. Ein Mordauftrag, der in einem verhängnisvollen Irrtum endet, ein geplatzter Lebenstraum, die Relativität der Perspektive und ein tragikomisches Missverständnis: James’ Protagonisten sind junge Amerikanerinnen und Europäerinnen, die sich, wie der Autor selbst, im Spannungsfeld zwischen Alter und Neuer Welt bewegen und somit die Hauptthemen seines literarischen Schaffens anklingen lassen. Die vier Geschichten beeindrucken durch ihre schonungslose Gesellschaftskritik, die modern anmutende Auslotung der (vor allem weiblichen) Psyche, durch die Verwendung verschiedener Blickwinkel – und begeistern mit geschliffenen Formulierungen und atemberaubenden Metaphern, mit unverändert großem Witz und zeitloser Schönheit. Mirko Bonné hat vier Erzählungen ausgewählt und übertragen, mit denen Henry James Überfahrten an Bord von Amerikadampfern in den Mittelpunkt der Handlung rückt. Die Erzählungen „A Tragedy of Error“ („Tragödie eines Irrtums“), „Four Meetings“ („Vier Begegnungen“), „The Point of View“ („Wie man es sieht“) und „Pandora“ („Pandora“) schrieb James in den Jahren zwischen 1864 und 1884 – Leserinnen und Lesern wird durch diese beinahe das gesamte Prosawerk umspannende Auswahl auch die stilistische und poetologische Entwicklung des amerikanisch-britischen Meistererzählers nähergebracht.