Der Autor

Mirko Bonné – das ist mein Name. Er setzt sich aus einem serbokroatischen Modenamen aus den Sechzigern und einem quasi-hugenottischen Familiennamen zusammen. Ich wurde am 9. Juni 1965 im oberbayrischen Tegernsee geboren und zog 1975 nach Hamburg. Dort und in Volx im provençalischen Luberon lebe ich. Ich ging im Tegernseer Tal zur Volksschule und in Bad Tölz aufs Gymnasium. Ich ging aufs Hansa-Gymnasium in Hamburg-Bergedorf und machte 1986 Abitur am Otto-Hahn-Gymnasium in Geesthacht, ehe ich Zivildienst auf einer Krebsstation leistete, später als Buchhandelsgehilfe, Altenpflegehelfer und Taxifahrer arbeitete und 19 Jahre lang Teilzeitredaktionsangestellter mit poetischem Geheimauftrag bei einem Yellow-Press- und TV-Zeitschriftenkonzern war.

Seit Beginn der Neunzigerjahre ist dieser Mirko Bonné, der ich bin, als Autor und Übersetzer tätig. Er schreibt Gedichte, Romane, Essays, Journale und Rezensionen. Er hat für Sarah Nemtsovs Oper „Ophelia“ das Libretto geschrieben. Er schreibt ein poetisches Blogbuch, das Sie auf dieser Seite finden: Das Gras.
In Bonnés von John Keats, Georg Trakl und Günter Eich geprägten Gedichten werden auf vielfältige Weise lyrische Formen tradiert, die seine Hauptthemen Landschaft, Lebendigkeit und Erinnerung beschreiben und hinterfragen. In seiner Prosa beschäftigt er sich vorrangig mit Mechanismen des Verbergens und Verdrängens. Die Flucht aus der Enge, die Reise in die Fremde, Grenzüberschreitungen durch Gestalten, die sich im Schatten wähnen, tauchen in Mirko Bonnés Büchern immer wieder auf. Wie die in seinen Romanen dargestellten Ernest Shackleton (Der eiskalte Himmel, 2006) und Albert Camus (Wie wir verschwinden, 2009) muss sich jede Hauptfigur der eigenen Herkunft erst versichern – so auch der gezeichnete Zeichner Markus Lee in Nie mehr Nacht (2013) und der widerständig an der Liebe festhaltende Angestellte und Wespenliebhaber Raimund Merz in Lichter als der Tag (2017). Gemeinsam ist den Protagonisten Bonnés ein Unwirklichkeitsempfinden, das sie von Mitmenschen ebenso fernhält wie von Selbstverwirklichung. Ihre poetische Kraft und literarische Brisanz erhalten Bonnés Romane und Erzählungen auch dadurch, dass ihre Figuren sich nicht in ihr Verzweifeltsein ergeben, sondern gegen Resignation und Desillusioniertheit aufbegehren.

In Buchkritiken im Feuilleton, in Aufsätzen und Reisejournalen sowie in Das Gras, dem Versuch zu einem poetischen Blog, reflektiert Bonné seine Ansätze. Stipendien und Reisen führten ihn nach Australien, ins Baltikum, nach Skandinavien, Russland, China, Iran, Latein- und Südamerika, in die USA und die Antarktis. 2014 und 2015 war er für anderthalb Jahre Writer-in-residence des Projekts Weather Stations und prüfte gemeinsam mit Autoren aus Melbourne, London, Dublin und Warschau literarische Darstellungs- und Vermittlungsmöglichkeiten der Folgen des Klimawandels.

Mirko Bonné debütierte 1992 mit dem Hörspiel Roberta von Ampel (Radio Bremen). Neben Übersetzungen von u. a. Sherwood Anderson, Samuel Beckett, Emily Dickinson, John Keats, Grace Paley und William Butler Yeats veröffentlichte er die Romane Der junge Fordt (1999), Ein langsamer Sturz (2002), Der eiskalte Himmel (2006), Wie wir verschwinden (2009) und Nie mehr Nacht (2013) sowie die Gedichtbände Langrenus (1994), Gelenkiges Geschöpf (1996), Hibiskus Code (2003), Die Republik der Silberfische (2008) und Traklpark (2012). 2010 erschien der Band mit Aufsätzen und Reisejournalen Ausflug mit dem Zerberus. Zu Georg Trakls 100. Todestag am 3. November 2014 gab Mirko Bonné gemeinsam mit Tom Schulz die Anthologie Trakl und wir. Fünfzig Blicke in einen Opal heraus. 2015 erschien der Band Feuerland, der elf Erzählungen aus sechzehn Jahren versammelt, und die Neuübersetzung von Robert Louis Stevensons Novelle Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde. Der Vortrag Die Poesie der Erde ist nie tot. Zu Leben und Schreiben von John Keats erschien im Sommer 2016, Mirko Bonnés Buch über seine langjährige Ferieninsel Mein Fehmarn wurde im Frühjahr 2017 veröffentlicht.

Im Herbst 2017 erschienen Die Widerspenstigkeit. Ein Märchen, eine Fortschreibung von Antoine de Saint-Exupérys „Le petit prince“, sowie der Roman Lichter als der Tag, mit dem Mirko Bonné erneut auf die Longlist zum Deutschen Buchpreis gewählt wurde. Zwei aufwändige Übersetzungsprojekte erschienen im Frühjahr 2018: Vier Begegnungen, ein Band mit vier Erzählungen von Henry James, die das Thema Atlantiküberquerung gemeinhaben, und die 2008 in Manhattan begonnenen Übertragungen der gesammelten Gedichte von Grace Paley, Manchmal kommen und manchmal gehen, ein Band, der die Werkausgabe der US-amerikanischen Autorin und Bürgerrechtlerin im Verlag Schöffling & Co. vervollständigt. Im Herbst 2018 erschienen zwei weitere Bücher Mirko Bonnés: der Gedichtband Wimpern und Asche, dessen »Daseinsbejahung im Parlando der meditativen naturenthusiastischen Gedichte« Michael Braun »eine sprachmagische Dichtung« nennt, und die erste komplette Übersetzung ins Deutsche von John Keats’ mehr als 4000 paargereimte Zeilen umfassender „poetischer Romanze“ Endymion, die erstmals 1818 in London erschien und an deren Übertragung Mirko Bonné seit 1992 immer wieder gearbeitet hat.

In enger Zusammenarbeit mit Juliette Aubert-Affholder erschienen 2019 zwei Übersetzungen, die Mirko Bonnés zunehmende Beschäftigung mit der französischen Literatur der Moderne verdeutlichen: Georges Simenons Kriminalroman über bürgerliche Enge und Voyeurismus Die Phantome des Hutmachers und Antoine de Saint-Exupérys fulminanter Fliegerbericht Wind, Sand und Sterne – Terre des hommes. Gemeinsam mit Juliette Aubert-Affholder bereitet Mirko Bonné die Erstübersetzung von Victor Hugos in Frankreich seit langem legendärer Gedichtsammlung „L’art d’être grand-père“ vor, Die Kunst, Großvater zu sein. Im Herbst 2022 soll der umfangreiche, durchweg gereimte Band mit Balladen und Liedern im Berliner Verlag Das kulturelle Gedächtnis erscheinen.

Auch unter den erschwerten Bedingungen in der Corona-Krise schrieb Mirko Bonné und veröffentlichte weiter: Im Herbst 2020 erschien die lang erwartete Neuübersetzung von Joseph Conrads Romannovelle „The Nigger of the ‚Narcissus’“ als Der Niemand von der ,Narcissus‘ mit aufwändigem Anmerkungsapparat und Nachwort.
Im Frühjahr 2021 folgte Mirko Bonnés neuer Roman Seeland Schneeland, eine vor hundert Jahren angesiedelte Auswanderererzählung, die so märchenhaft wie erschütternd gegenwärtige gesellschaftliche Diskurse spiegelt. Mit „Seeland Schneeland“ führt Mirko Bonné die Erzählung von Merce Blackboro, Ennid Muldoon und Ernest Shacklelton aus „Der eiskalte Himmel“ (2006) fort und ergänzt das Panorama von Newort und Pillgwennly um schillernde Figuren und Landschaftsbeschreibungen, die erstaunen.

Mirko Bonnés Bücher wurden ins Bulgarische, Chinesische, Englische, Estnische, Französische, Kroatische, Niederländische und Russische übersetzt, eine persische Ausgabe von Nie mehr Nacht ist in Vorbereitung. Eine größere Auswahl von Gedichten übertrug Gio Batta Bucciol für das altehrwürdige Magazin Poesia ins Italienische. Der eiskalte Himmel erschien als Hörbuch, von Wie wir verschwinden setzte der NDR Motive als Hörspiel um. Sarah Nemtsov vertonte Passagen von Aufsätzen aus Ausflug mit dem Zerberus, Gedichte aus Traklpark sowie Siebenfacher Trost, Mirko Bonnés Übersetzungen und Variationen von Liedern John Dowlands. Mit Reinhard Kaiser-Mühlecker tauschte Mirko Bonné mehrere Wochen lang im Online-Magazin Hundertvierzehn Winterbriefe über Lektüren, Filme, das Schreiben und das eigene und fremde Leben. Tina Soliman befragte Mirko Bonné zu seinen Ansätzen zum in der digitalen Gesellschaft virulenten Thema Verschwinden und veröffentlichte 2019 in ihrer literarischen Reportage „Ghosting – Vom spurlosen Verschwinden des Menschen im digitalen Zeitalter“ Ausschnitte ihrer Gespräche.

Mirko Bonné ist Mitglied des P.E.N.-Zentrums Deutschland sowie der Internetplattform Der goldene Fisch. Seit 2013 ist er freier Schriftsteller.

1990 und 1996    Übersetzerförderpreis der Freien und Hansestadt Hamburg
1993 und 1999    Literaturförderpreis der Freien und Hansestadt Hamburg
1998    Aufenthaltsstipendium der Hamburger Kulturbehörde in Marseille
2001    Wolfgang Weyrauch-Preis beim Literarischen März
2002    Ernst Willner-Preis bei den Tagen der dtspr. Literatur Klagenfurt
2004    Stipendium des Deutschen Literaturfonds
2004    Förderungspreis zum Großen Kunstpreis Berlin
2004    Stipendium des Deutschen Übersetzerfonds
2007    New York-Stipendium des Deutschen Literaturfonds
2008    Prix Relay
2008    Ernst Meister-Förderpreis
2009    Nominierung zum Deutschen Buchpreis (Longlist)
2010    Writer-in-Residence Rio de Janeiro
2010    Marie Luise Kaschnitz-Preis
2012    Writer-in-Residence Shanghai
2013    Nominierung zum Deutschen Buchpreis (Shortlist)
2014    Rainer Malkowski-Preis (gemeinsam mit Daniela Danz)
2014/2015    Stipendium des Deutschen Literaturfonds
2014/2015    Writer-in-Residence des Projekts Weather Stations
2017    Stipendium des Deutschen Übersetzerfonds
2017    Stipendium am Intern. Künstlerhaus Villa Concordia Bamberg
2017    Nominierung zum Deutschen Buchpreis (Longlist)
2018    Gastresidenz am Aargauer Literaturhaus Lenzburg/CH
2018/2019    Stipendium des Deutschen Literaturfonds
2019  Bode-Stipendium des Deutschen Übersetzerfonds
2020/2021  Gastprofessur am Deutschen Literaturinstitut Leipzig
2020    Hamburger Literaturpreis für Übersetzung
2021/2022  Gastprofessur für literarische Übersetzung an der Ludwig-Maximilian-Universität München
2022  Hermann-Hesse-Stipendium der Stadt Calw