Die Nazarener

Sie haben die schönsten Pferde gemalt,
die Nazarener! Wer erinnert sich an sie?
Jedes Mal, wenn ich im Städel war, allein,
geh ich verstört von ihrem ganzen Zauber
am Main zurück in irgendein Hotel, wach
noch stundenlang. Ihr Blick verfolgt einen,
bilde ich mir ein, und schon frage ich mich,
warum? Sie scheinen ja etwas zu erleben,
das mit den Menschen vor sich geht, etwa
Begegnungen? Als wüssten sie das nicht
einzuschätzen. Ihre wundervollen Hunde
leben im Frankfurter Hauptbahnhofviertel.
(…)
merkwürdig sind die Pferde, die es nie gab,
aber geben muss, sie haben sie ja gemalt.
(…)
Überall blicken die Menschen sich um,
wie hinaus aus ihren Bildern, ins Land
oder über eine Piazza vor 220 Jahren,
als hätte da irgendwer etwas geschrien,
oder als weinte irgendwo ein Mädchen.
Ein Mönch mit Tonsur, Pferdeknechte.
Oder ein Hoffräulein wendet den Kopf,
es horcht. Auf jedem Bild ist alles wach.