In der Schneedecke Fährten

Auch wir waren das mal, so Ge   fährten, nur ist es lange vorbei.
Was kann es sein, das mich nicht   mehr loslässt an so einem, dem
ich schreibe, entschuldigend und   zornig, zärtlich, verständnisinnig,
und der doch nur lauter verstummt.   Beharren? Er ist ja wie verblichen.
Und der Geist, der in mir wiedergeht,   scheint grausam damit zu spielen.
So gefriert der verharschte Schnee   auf aller gemeinsamen Zeit, denn
allem Zartgefühl habe ich selbst lang   abgeschworen. Da sind Fährten,
das Leben bis hier, nirgends seine,   unsichtbar, ungeworden. Fühlbar
trag nur ich unsere alte Geschichte   noch. Und dennoch – was ist es?
In der Schneedecke Fährten. Lass   gut sein. Jedem auf seine Weise,
ihm, mir, gestern, heute, morgen,   und allen Spuren eine gute Reise.

Friss meinen Blitz

In der ersten Märzsonne hockt die gesamte Dorfschule auf dem asphaltierten Schulhof und lauscht dem Lehrer, der auf der steinernen Bank neben dem Eingang sitzt. Die große Kastanie, ihre Krone überwölbt den Hof, auch sie hört zu. Das glaubt nur, wer lernt. (St. Maîme, 14.3.)

Auf den alten, durch und durch verrosteten Wassertankanhänger gesprüht: „Love is love“ – als müsse die Liebe aus diesem Behälter fließen.

„Je vais m’acheter un cheval et partir trafiquer dans l’inconnu.“ Rimbaud, den man, als Mensch, nicht kennengelernt haben möchte, Rimbaud, der am Stuttgarter Neckarufer Verlaine mit einem Stock zu Boden, ihn blutig schlägt. In sich trägt er nicht nur den absoluten Willen zur Moderne (bah), vor allem flammt in ihm der Zorn der Zeiten, der nicht länger zu kanalisieren ist. „Ich werd mir ein Pferd kaufen und aufbrechen, mit dem Unbekannten Geschäfte zu machen.“ Voilà. Das Unbekannte. Aber ebenso: Geschäfte. „Trafiquer.“ Anders als Keats 50 Jahre zuvor, kannte Rimbaud keine Moral, keine Werte mehr. Er war ein genialer Krämer.

Plötzlich durchquert eine Schafherde das Dorf. Tags darauf grasen die Tiere an einem Hang, und abseits liegend wacht der weiße Hund, ohne dass sein Schäfer zu sehen wäre.

Der Pont Julien bei Bonnieux, 2025 Jahre alt und bis vor sieben in Benutzung selbst für den Lkw-Verkehr. Die Kalksteinfelsen unter den Kalksteinbögen – glattgewaschen vom Wasser des Calavon, glattgetreten und -gerieben von den Kindern im Mittelalter und zu Zeiten von Papst Urban III.

Seit sechs Jahren arbeite er in dem Antiquariat, sagt der Alte mit dem Trinkergesicht – „… und jeden Tag mehr ermesse ich die Weite meiner Unwissenheit.“ Eine halbe Stunde später sehe ich ihn wieder im Supermarché, drei Dosen Starkbier im Plastikbeutel – am liebsten hätte ich mich vor ihm verneigt. (Avignon, 15.3.)

Auf einem Feld nahe der Landstraße, auf der wir mit 120 Sachen vorbeikacheln, tollt ein Fuchs – und blickt kurz gleichgültig her. (Aspres-sur-le-Buëch, 18.3.)

Wandspruch in Volx: „Mange mon foudre!“ – „Friss meinen Blitz!“

Schneeinvestment

Der verharschte Schnee und
die Spuren darin. Was oder
wer lief da, wohin, woher.
Alles Weite soll sich zeigen,
das ist die Schneeinvestition.
Alles wird Flocke, das Treiben
nimmt kein Ende, der Schnee ist
das beschlossene Aus alles Engen.
Was werden die Kinder behaupten
von dir, falls sie sich überhaupt
deiner erinnern. Du da, der du
früher vielleicht einmal warst,
bist du im Schneegestöber wieder.
Deine Hellseherkräfte haben reichlich
Rost an den Kufen, aber wer weiß schon,
wer hat von Weisheit einen Schimmer. Einer
der Jungs auf den Schlitten bleibst du für immer.

Das Gras in eigener Sache

Das Gras wächst weiter – dass das jedem – und jeder – klar ist. Das Gras leistet Widerstand. Denn es ist im Widerstand. Wogegen? Gegen das Ausradieren, das Tilgen, das Plattmachen, das Zubetonieren der Zweifel und der Widersprüche. Das Gras wächst, es wendet sich gegen das Gestutztwerden, gegen alle, die aus Mangel an eigener Fantasie glauben, das Andere plattmachen und in die eigene Enge treiben zu müssen, ja zu können. Nichts da. Hier wächst es, das Gras. Es hat keine Meinung. Es vertritt keine Überzeugung. Aber es weigert sich und es wehrt sich. Das Gras wurde in den vergangenen Wochen angegriffen, „gehackt“, wie man heute so sagt, von wem, mag dahingestellt sein. Weswegen? Weil das Gras offen ist. Seit zehn Jahren wächst hier das Gras. Gedichte entstehen im Gras, Bilder bilden sich heraus im Gras, Lektüren werden im Gras überdacht, Stimmen gehen durch das Gras, das Verschwinden ist im Gras überall spürbar. Das Altern. Das Lächeln als Widerstand. Der Kummer, die Trauer, die Freude am Dennoch, die spürbare Stärke des Immerweiter. Das Gras wollte schon des Öfteren aufhören zu wachsen. Noch aber wächst es. Dem Bot oder den Programmierern des Bots, der das Gras angreift, ist derlei völlig gleichgültig – so gleichgültig, wie das Gras überhaupt jemandem ist. Das Gras ist ein Inbegriff der Belanglosigkeit. Das gibt ihm seine Freiheit. Es wächst – und damit ich, und damit hoffentlich auch du.

Noch immer hebt so ein Satz in mir an, den ich dann fiebrig, wie panisch, abtaste mit der Frage (an wen?), ob er ein Vers sein könnte. Heute, inzwischen, gehe ich lieber Wäsche aufhängen, als dass ich mich krumm mache für das nächste Elaborat.

Nicht für Seelenkundler: Mit einem Mal musste ich mir die Nägel schneiden.

Das Schneeinvestment!

Echo & The Bunnymen – Heaven up here

Welcher Schnee ist unsichtbar? Der von gestern. Und der von morgen.

Vom Stumpfsinn zum Starrsinn und zurück. Putins Truppen überfallen die Ukraine. (24.2.22)

Die Pracht des Lichtgefunkels auf dem Fleet: Mit jedem Windstoß verändert sich die Gestalt des Funkelflecks auf dem Wasser. (Seltsam angerührt von der Bewegung.)

Roma Termini

Der dunkelblaue Ventilator
    eines Septembergewitters
        rotiert über Trastevere.

Ohne Schirm, nur im Hemd
    unterm alten Maulwurfkostüm,
        läuft er im Regen zum Fluss,

vorbei an einem Zentaur: Junge,
    junges Ding auf den Schultern.
        Gioletti. Letzte Pferdetram.

Schwitzend, mit Stützstrümpfen
    eine abgetakelte Schwuchtel,
        so sitzt man nicht im Greco.

Und mitten auf der Piazza Cavour
    ein zahnloser Mensch, genäht
        in Sacktuchfetzen, genau

da auf dem nachtdunklen Pflaster
    lümmelte Bosie am Cafeteriatisch
        in der Sonne, Weste, Hut weiß,

grinsende Muttergotteserscheinung.
    Auch der Lebensbogen hat sein
        Gedächtnis. Darum ist man ja

niemals allein, selbst der nicht,
    der für sich sein will, wenigstens
        in den schlimmsten letzten Momenten.

Antwort aus der Stille

Das Gras wächst weiter, meistens wächst es nachts. Mitunter wächst es stundenlang, dann wieder für Wochen gar nicht. Das Gras, so scheint es, wächst wann es will, nach grüner Lust und grüner Laune. Nur ist das Gras ja gar nicht grün. Das Gras lacht, wenn wer vorbeigeht, der vom schönen Grün des Grases schwadroniert. Ich träume zuweilen von Gras. (Und auch im Traum ist es grün.) Der leichte Wind, der durch die Halme streicht, wie die Hand eines zurückgebliebenen kleinen Kindes (würde Bove vielleicht schreiben). Einmal (gestern Nacht) kam mir aus dem Gras der weißblonde Kopf meines toten Hundes Helge entgegen. Ich verdanke dem Gras so vieles. Vor allem das Wachsen. Das Gras wächst nämlich stets, nur eben im Verborgenen. Und in der Farbe, die es sich selber wählt.

„Seine Fehler sind nichts wert“, sagt ein junger Mann, der vorbeigeht, und gibt mir bis zur Kreuzung zu denken, bevor ich ihn für immer vergesse. (Hoheluft, 22.1.)

Bill Evans – Everything digs

In seiner Tragik und seinem Witz wie in seinem Ton und seiner Satzkunst Kafkas „Schloß“ ebenbürtig ist Genazinos „Abschaffel“-Trilogie.

Liebesbekundung: Ich stecke das Buch in die Gesäßtasche – Peter Handkes Stunde der wahren Empfindung.

Wie du Bands anhand ihrer Namen unterscheidest, kannst du Käse anhand seiner Namen unterscheiden.

Dann aber bist du mit einem Mal wieder da, und die Nebelwand löst sich auf. Plötzlich bist du wieder Brücke, aus dem Nebel, Antwort aus der Stille.

Im Uhrmacherladen das Ticken im Herzen der Welt.

Eine alte Bekannte getroffen – mit wie wenigen Worten sie mir etwas von Bedeutung sagte.

Du musst erkennen, dass du die Unmöglichkeit zur Vermittlung der Ereignisse und Konflikte nur durch die Gestalt überbrückst – und dass insofern die Poesie zumindest die Erwiderung ist auf Trakls Diktum, man könne sich nicht mitteilen, ja wenn nicht gar die Widerlegung.

Victor Hugo nennt Rimbaud „Shakespeare enfant“, und Rimbaud nennt die eigene Dichtung „absurde, ridicule, dégôutante“, abstrus, lachhaft, widerlich.

Echo & The Bunnymen – Ocean rain

Erinnerung, Erinnye

Erinnerung: als wollte etwas nicht verbrennen, wenn das Gedächtnismeer
in Flammen steht. Als wäre mein Vater ein Brandschiff, die Decks voll Dynamit, und meine Mutter gießt in jede erste Schenke ihr Benzin. Wohin ich fahre, ist der Hafen immer Schutt und Asche lang, verbrannt im aller-
wundergelbsten Sonnenuntergang. Erinnye.

Erinnerung: ich kaute Fingernägel, dabei aber eigentlich Gedanken. Ich hatte nachts nicht bloß die Angst, ich hatte allen Grund, mir vorzustellen, vor dem Bett, in meinem Rücken, steht ein Mann. Und wenn ich mitten am Tag vor mir wieder den Brennenden sah, wusste ich immer schon lange Zeit vorher, wann es geschah. Erinnye.

Erinnerung: als ginge kurz nach Mitternacht die Sonne auf. Wir fuhren mit dem Käfer langsam auf den Unfall zu. A 7, Wagen brannten, nichts war abgesperrt, und in dem einen sitzt am Steuer einer und verbrennt. Und meine Mutter sagte in dem Hitzeschein: Du siehst da gar nicht hin, du siehst nur mich und was ich bin. Erinnye.

Das ewige Hinfallen und Zubodenstürzenmüssen

Was Amy Lowell in ihrer Biografie von John Keats’ Leben schreibt, dass er nämlich „von so großer Empfindsamkeit“ gewesen sei, „dass er den Schmerz mit Händen hätte berühren können“, beeindruckte Albert Camus so sehr, dass er den Satz im Herbst 1949 in seinem Tagebuch zitiert – nur daher kenne ich ihn. Und hielt und halte ihn seither für ein bewegendes, unmittelbar ergreifendes poetisches Bild. In Nicolas Borns Roman „Die Fälschung“, vollendet kurz vor Borns Tod 1979, finde ich eine mögliche Aufschlüsselung; über die Erzählerfigur Laschen, Kriegsreporter im libanesischen Bürgerkrieg, heißt es: „Kein Mensch konnte ja mehr mit ihm vergleichbar sein. Wer hier getroffen fiel, sich an die Erde klammerte, konnte, solange er selber nicht derjenige war, nicht sein wie er. Er erinnerte sich aber ziemlich genau, daß er früher als Kind jeden Schmerz eines anderen als einen ganz nahen, annähernd eigenen empfunden hatte.“

The Waterboys – In a speacial place: The piano demos for This is the sea

Spiegelung: Die Mülltonnen stehen nicht vor dem parkenden Wagen, sondern darin.

Die besseren Zeiten haben längst begonnen.

The Waterboys – The Waterboys

Vor mir her ging ein Mann mit so laut quietschenden Schuhen, dass es sich wie die Türen eines alten Eichenschranks anhörte. Immer wieder blieb er stehen und blickte zu Boden. (Hoheluft, 15.12.)

OMD – Architecture & Morality

Auf einer überfrorenen Wasserpfütze am Straßenrand tanzen ein junger Mann und eine junge Frau umeinander herum und küssen sich immer wieder. Erster Weihnachtsfeiertag.

The Waterboys – Fisherman’s blues

„Auf der Straße hatte er Lust, in die Ereignisse hineinzupöbeln.“ Wilhelm Genazino, „Abschaffel“

Das ewige Hinfallen und Zubodenstürzenmüssen der Gegenstände. Diese unfreiwillig komische Liebedienerei um die Gunst der Schwerkraft.

The Transmissionary Six – Radar

Das Kind kreist um sich selbst und verurteilt alle, die es auf seinem Orbit stören.

Du glaubst, die Welt in dich aufzunehmen, aber das Gegenteil ist der Fall. Die Welt verändert sich, auch durch dich. (9.1.22)

The Gun Club – Miami
The Gun Club – Lucky Jim

Auf dem Dach des neuen Fahrradunterstandes wurden Moose und Flechten angepflanzt und halb verrottete Birkenstämme ausgelegt, um das Miniaturbiotop abzurunden. Von oben betrachtet, aus dem Zugfenster, ist der Neubau Ruine.

Das weinende kleine Mädchen hinter dem Kindergartenzaun ist seit 55 Jahren dasselbe. (Jarrestadt, 11.1.)

Nach einer Runde um die Sonne. Gedicht

An den offen stehenden Fenstern
  des Hotels Goldener Oktober,
gegenüber Kohlenmonoxidbirken
  und zwischen Schulflachbau,
Fernsehturmspitze und Sternen,
  ist da noch immer dieser Kern
an einem Abend anscheinend
  lebensvoll, nur völlig stumm,
auf dem Weg durch eine Nacht
  nach einer Runde um die Sonne.

Inmitten simulierten Miteinanders
  pulsen da weiter Golgi-Apparat,
endoplasmatisches Retikulum,
  Auffaltung, Instandhaltung
eines Tons und innigen Rests
  beständig vertrauter Stimme
im Birkenblättergerassel und
  blassen bleibenden Funkeln
auf dem Weg durch eine Nacht
  nach einer Runde um die Sonne.

Nach einer Runde um die Sonne

Der einzige Gin, der Schmerzen lindert: Novalgin.

Stundenlang harkt der Nachbar ein unsichtbares Muster in den Kies vor seinem Haus. Ich denke an meinen Vater, der seinen Söhnen die Strafarbeit aufbrummte, in den Sandstreifen vorm Haus dieselben Linien zu harken, mit denen meine Mutter beim Staubsaugen die Teppiche verzierte.

Sobald das Angelusläuten einsetzte, nahm sie den Enkel bei der Hand und zog ihn mit sich auf die Terrasse, um gemeinsam mit dem Kind hinauf zur Kirche zu blicken – so lange, bis die hin und her schwingende Glocke wieder verstummt war … und länger: bis sie erneut stillstand oben in ihrem Turm. (Volx, 8.10.)

Die Slogans werden poetischer, nein absurder in ihrer simulierten Poesie: „Gemeinsam erreichen wir nichts“, „Kann ich etwas begreifen, das so lange zurückliegt?“

Auf dem Bürgersteig liegt im Regen ein roter Bleistift. (Hoheluft, 21.10.)

The Waterboys – Book of lightning
The Waterboys – This is the sea
The Waterboys – A pagan place

Schreib ein Gedicht: „Nach einer Runde um die Sonne“

Wenn ich vor meiner Regalwand stehe, spüre ich die Wärme der Bücher, ihr Vibrieren, ihre Hitze, ihre unbändige gesammelte Ungeduld.

Filmset unter der Hochbahnbrücke: Maske, Catering und da – ein Schauspieler, erkennbar an seinem Gang. Ich gehe hinaus, ich laufe davon, einkaufen, vielleicht gleich ein ganzes Leben kaufen, ich fühle mich noch mehrere Straßen weit entfernt wie ein Statist in einem Film, der nicht gedreht werden wird.

Für jedes meiner Sockenpaare hege ich innige Gefühle – weil sie mir vertraut oder weil sie Paare sind?

Und manchmal rollt, wie ein E-Leichenwagen, ein Moia-Mobil vorbei.

Aus den Übersetzungen

Emma Lew

Durchrütteln der Formen

Ich wollte meine Ehe auflösen, die Grenzen sprengen,
es gut haben, Vergessen finden, alles in Höhlen,
auf einem Walfänger, an hundert anderen Orten.

Durchtriebene Träume im bedrohlichen Kopf,
zog ich los durch die hinplätschernden Wellen:
Ich wollte meine Ehe auflösen, die Grenzen sprengen!

Hinter mir Wasserfälle, vertane Zeit und die ersten Keuschheiten
    zur Verunstaltung der Küste,
setzten mich wehrlose Männer in Brand
auf einem Walfänger, an hundert anderen Orten.

Nein, gar nicht mich, sondern mein Double, mein Ebenbild;
nicht jemanden, sondern jeden mit einer Art Cape und Kapuze –
ich wollte meine Ehe auflösen, die Grenzen sprengen.

Ich bin so was wie eine Guillotine! Bin nicht grenzenlos Kummer!
Wie nackt wirkt die Erzählung! Und nichts! Und nichts und nichts
    und nichts …
auf einem Walfänger, an hundert anderen Orten!

Könntest du mich nur sehen, wie ich weiter und weiter eile,
stammelnd wie ein Heiliger in der Weite der Felder!
Ich wollte meine Ehe auflösen, die Grenzen sprengen
auf einem Walfänger, an hundert anderen Orten.

*

„Rattling the Forms“, in: „Crow College“, Giramondo, Artarmon 2019
Unveröffentlichte Übersetzung

Ob, wann, wo und wie

1
Sie schreibt dir früh, sie habe dich
   lieb. Du wirst davon wach, erkennst
wieder: Bäckerei, das Licht. Rauchend
    stehen Frauen in den Hauseingängen,
reden, lachen, und der Regen friert, es
    schneit, es wächst dir dein Gesicht.
Die Nacht siehst du und verschwimmen
    die Straße, die Lichter, einen Lösch-
zugeinsatz gegen sechs. Brennendes
    Verlangen nach Talk Talk im Morgen-
dröhnen. Nach Zimmerwind. Und dass
    der neue Tag mit ihrer Stimme beginnt.

2
In den Fenstern siehst du Lichter
    oder Leute, vereinzelt, fremd, die
sich fit halten, da unbeirrt glauben
    an Instandhaltung, die Haltbarkeit.
Das Mädchen mit dem Dutt nimmt
    die Brüste in die Hände und hüpft;
mit den beiden Huskys streicht der
    Maharadscha vorbei. Der Schnee,
verharscht. Zum 55. Mal 21. Februar.
    Die Stadt sinkt in die Stille ein, die
Tatenlosigkeit. In Nachtfrost. Warte
    auf kein Wunder mehr. Lass sein.

3
Was der Harsch meint: Da liegen
    Schneereste auf den Lichtungen.
Was die Hand des Nachbarjungen
    in den Schnee schreibt auf deiner
Motorhaube: Thanks Mister Winter.
    Was du wissen solltest: Unlenkbar
alles Glück. Es kommt, es geht vorbei.
    Bei Flockentreiben bleibt innen die
Stimme, die immer schon zu dir sagt:
    Hast du noch Lieder, dann sing sie
wem vor. Horch auf das Ticken im aus-
    kühlenden Motor: Sei Ticken und Ohr.

4
Fern: das Dorf im Luberon, das alte
    Haus mit den blauesten Fenstern,
mitten im Ort, unter dem Kirchlein,
    mit Blick von der Terrasse ins Tal,
mitten im Feigenduften. Manchmal
    scheucht der Mistral das Nichtfest-
genagelte die Straße hinunter. Nah:
    Kinder, Geister, unermüdlich Spiel.
Im Licht versteckt sich die Eidechse,
    der Parkplatzoleander schneit. Näher
als nah: sie und ihr Löwinnenverstehen
    aller Zweifel, ob, wann, wo und wie.

Das Gras wächst weiter

Eine Frau geht vorbei, mit der ich um ein Haar das Leben geteilt hätte.

Gib es zu, du kommst dir immer öfter wie die Fehlbesetzung in deinem eigenen Leben vor.

Und plötzlich liest man wieder Max Frisch.

Im Weinberg, betrunken vom Rotgold des 2. Oktober. Ich werfe alle Ansprüche an Leben und Lieben auf einen Laubhaufen und stecke ihn noch am Vormittag an. Schon Herbst! Die Schlösser hocken an den Bergen wie Krähen im Apfelbaum. Und die Flammen züngeln zum Himmel hinauf, keine zwanzig Sekunden dauert der Zauber. (Edenkoben, 2.10.)

Entlang der Autobahn nach Winterthur trabt ein einzelner Hirsch über ein Feld im Regen – sein entsetzter Blick brennt sich mir ein, seine Verlorenheit unter uns Außerirdischen.

Das Gras wächst weiter. Unbeachtet lässt es Krieg und alles Leid. Es wächst, wird wieder grün, kennt keine Welt, die grad zerfällt, das Gras kennt nur das Gras.

Denk auch und immer wieder zurück an das Pferd auf der Weide am Ufer der Hetlinger Heide, allein da unter dem riesenhaften Strommast, der die Kabel oberhalb der ein- und aus fahrenden Schiffe über den Fluss führt. Tief in Gedanken versunken, so schien es, fast wie verschwunden stand es im grauen Gras, regungslos.

Und auch du selbst so ein schwarzes Loch inmitten der Ereignisse deines Lebens, die du ansaugst, verbrennst und vernichtest. (Vor Grenoble, 3.10.21)

Kein Lied

Wohin unterwegs du warst
– unbekannt. Ich kenne
deinen Tagesbefehl
nicht, nur den Tag,
kein Lied, das
du gesungen hast,
vielleicht sogar gegrölt
aus vollem Hals und vor
lauter Heldenshit. Ich weiß
von keinem Schimmer Licht,
in dem du lagst. Froh? War da
ein Duft? Stiller Augenblick. So.
Licht. Ferne Geräusche, fremd.
Hat dich wer liebgehabt? Wer
war das? Eh die Geschosse
kamen, und immer näher,
bevor es die Granate
zerriss, die Stille
zersplitterte
und du
mit.

Bresche

Kunst tauge nicht zu Propagandazwecken, sondern gehöre zur „Gegenwehr der Menschen gegen den Krieg. Deshalb kann auch die Behinderung von Kunst oder Künstlern kein Akt gegen den Krieg sein“, schrieb Alexander Kluge am 13. April in der Süddeutschen. „Kunst ist kein Richter. Kunst trainiert Wahrnehmung. Die Kriegssituation ist eine Welt der Algorithmen. Die Kunst ist der Anwalt der Gegenalgorithmen.“ Es sind dies die vielleicht einzigen Sätze, die ich während der völkerrechtswidrigen und durch nichts zu rechtfertigenden russischen Invasion in der Ukraine gelesen habe, die mich trösten können. Sie könnten, würden wir ihn hören können – denn er ist nicht gestorben –, ebenso von Oscar Wilde stammen – der den Krieg einer ganzen von Dünkel und Vorurteilen gelenkten Gesellschaft gegen einen Einzelnen am eigenen Leib erfahren musste. Wladimir Putins Europa aufoktroyierter Krieg ist ein Angriff auch auf die Werte, für deren Einsetzung und Erhaltung unzählige Künstlerinnen und Künstler seit Jahrhunderten gestritten haben. Man lese nur George Orwells Visionen „1984“ und „Animal Farm“, lese sie, anstatt sie abzutun als allzu bekannt und Schullektüre. Theater, Dichtung, Tanz, Fotografie, Ballett, Video und Malerei und Zeichnung und Plastik – und Musik! – und Übersetzung – reichen tiefer und drücken tastend oder schreiend, laut oder leise, mehr aus, als dass sie instrumentalisiert oder funktionalisiert werden könnten selbst in Zeiten extremster menschlicher Auseinandersetzungen. Was uns dazu führt, andere zu überfallen, abzuschlachten, zu vergewaltigen und auf offener Straße hinzurichten, den Zusammenbruch des Minimums an menschlichem Miteinander, alles, jede Freude und jedes Gräuel, jeder echte Austausch und jede Untat, wird stets – seit Jahrhunderten und -tausenden – thematisiert in den Künsten, die frei sind, sich freigerungen haben von Staat und Kirche, jedweder Inquisition, gerade deshalb. Kunst hat keine Funktion, nicht mal eine Aufgabe, so wenig, wie ein Kind sie hat. Sie ist Ausdruck von Lebendigkeit und damit Unterschiedlichkeit, wie jedes Kind. Nein, ich bin kein politischer Mensch. Ich misstraue jedem, jedem Axiom, das nicht, wie Keats sagt, am Puls überprüft wurde. Der Zweifel an aller politischen Äußerung ist mein Terrain. Und so wäre es auch unter einer Tyrannei wie jener Putins. Doch ich glaube fest, ja unverbrüchlich an einige wenige menschliche Werte, und es ist kein Zufall, dass ich sie in nur zwei dichterischen Texten der letzten achtzig Jahre ausgedrückt finde, Gedichte, die sich jeder Vereinnahmung zu entziehen vermochten: Ezra Pound wurde in einem Käfig gefangengehalten, weil er sich für Mussolini einsetzte, und schrieb dennoch den Abschluss des Canto LXXXI: „What thou lovest well remains, / the rest is dross.“ W. H. Auden drückte seine Bestürzung über den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in seinem Gedicht „September 1, 1939“ aus und fand darin zu einem Vers von nahezu galaktischer Bedeutsamkeit: „We must love one another or die.“ Man lese es nach, es steht ja alles im Netz.

Fragment eines Kriegstagebuchs

Dieselben Sternbilder am Nachthimmel
wie letzten Winter. Ich bin entsetzt
beim Anblick des Bahnsteigs
voll Tausender, die auf die Gleise,
dann auf der anderen Seite herumströmen
um den viel zu kurzen Zug. Das Foto lässt sich
großzoomen, und da erscheinen vor allem Frauen,
Kinder, Alte, wie auf allen Kriegsdarstellungen,
die ich kenne. Frau mit roter Kapuze,
Kind auf dem Arm. Was hast du,
frage ich mich, von Kriegen
wirklich miterlebt. Jedenfalls Angst.
Drohungen. Bedrohungen. Die Zeit wie
angehalten in diesen Tagen. Was soll da erst
die Frau mit roter Mütze sagen. Freiheit wird siegen.
Du musst dich begnügen. Auf der A5 öfter schweres Militär,
Armeetransporter, und einmal die blaugelbe Fahne
im Seitenfenster eines vorbeiziehenden Horch.
Und die Gespräche Schein. Und die Attacken
unsichtbar. Einen Nachmittag lang hinaufgewandert in
das felsige Bergland, auf dem Schotterpfad weiße Splitter,
vorbei an den Grotten, an Olivengärten, schon gehen
die Augen wieder auf, schon möchte ich überall
am Körper Augen haben. In der Luft zu hören
die Dohlen, seltsam aufgeweckte Raben,
auf dem Smartphone der Einschlag
einer Rakete in Cherson und der Staub
im rasselnden Laub. Ich bin aufgewacht
nach wochenlangem Albtraum im eigenen
Leben, andere schwer vorstellbar, zu schwach
für großstädtische Barmherzigkeit, es tut mir leid.
Wir fahren durch die Nacht. Heim von der Crêperie
in Forcalquier. Die Kids auf den Rücksitzen zählen sie:
die Toten durch die Pest, die Toten durch Corona, die Toten
im Krieg in der Ukraine. Welche Sprache spricht man da?
Die Sternbilder wie immer. Das große W – Kassiopeia.
Orion. Der kleine Bär. Vorm Nachthimmel steht
die Roche amère. Polen bittet die USA,
eigene MIG-21-Düsenjägerbestände
an die Ukraine zu überstellen. Und du
fühlst dich wie? Am vierzehnten Tag nach
dem russischen Angriff auf die Ukraine erklärt
der russische Außenminister Lawrow, Russland
habe die Ukraine gar nicht angegriffen. Was
kann wirklich sein in einer Wirklichkeit,
wo die Lüge sich ins Recht setzt.
Ein Kinderkrankenhaus beschossen.
Mariupol. Wöchnerinnen im Raketenfeuer.
Fünftausend russische Soldaten gefallen, gefallen,
gefallen, gefallen, gefallen, gefallen in nur zwei
Wochen. Ihre schneebedeckten Panzer mit
grillofenähnlichen Gerüsten auf dem Turm,
langsam dahinschepperndes Gerät, abgeladen
irgendwo in Belarus und über die Grenze gerollt, um
die erste nächtliche Kanonade abzufeuern, hinein
ins Vorland von Lwiw. Ich denke an Claude
Simons Schilderungen des Krieges als
das menschliche Nichts, Schlamm,
Matsch, Unrat, Plunder, Müll,
in Fetzen geschossen, das Vieh
halb eingesunken in den Sumpf aus
Stumpfsinn, Angst, Abfall. Simon beschreibt
in „Die Schlacht bei Pharsalos“ die Fassungslosigkeit
der Söldner, erfahren im Kampf Mann gegen Mann,
angesichts der Enge, kaum Raum und kaum Zeit,
auf dem durchstrukturierten Schlachtfeld. Ich
suche auf Google Maps Grodek, scrolle
durch Fotos meines Freundes Farhad
aus Czernowitz vom letzten Sommer, ich
lese, wo Berdytschiw liegt, der Geburtsort
Józef Konrad Korzeniowskis, womit ich Joseph
Conrad meine. Ich war noch nicht in der Ukraine.
Es ist der 11. März. Nächste Nacht erwartet
Odessa die Einkesselung, und ich denke
an meinen Freund Jürgen, der im Mai
mit dem Rad an Kiew vorbei bis
ans Schwarze Meer wollte,
einen Blick werfen auf die Krim,
und denke an meinen Freund Steffen,
den Kosmonauten aus Leipzig, Gagarin2.
Woran erinnere ich mich von seinen Bildern
aus dem Niemandsland um Tschernobyl:
das Grün. Auf der anderen Seite ist
das Gras immer grüner. Tam
choroscho, gde nas njet. „Keiner
hört mich. Ich lalle und meine Hände
sind immerfort in Bewegung, denn
die Liebe ist unsterblich und lebt
weiter in Träumen und Gesichten“,
schreibt Emma Lew in dem Gedicht
„Tschernobyl: Smalltalk“. Krieg heißt
für die, die ihn erleben müssen, die
Unwirklichkeit zeigt ihr zerrissenes
Gesicht. Sie will das Wirkliche sein
und frisst es doch auf. Der Erzähler
Sergei Gerasimow schildert den Luft-
angriff auf Charkiw und beschreibt die
Geräusche erster Raketen und erster
Einschläge, ein nie zuvor gehörtes
Sirren und Gejaul, vermengt mit
ungeheuerlicher Stille, mit der
der Erwartung, mit dem Schweigen
zwischen Einsetzen der Furcht und
Eintreten des Befürchteten. Der Krieg
ist der Riss im Blick, in sieben Sinnen
quer durch dich, aber was weiß davon
ich. „es gibt viele häuser die stehen aber
es gibt keine mitte es gibt viele wege die
führen doch sie führen zu keiner mitte“,
dichtet Tadeusz Różewicz in derselben
Welt. CNN Grodek. Gekappt. Ende
vom Glauben ans Glück, alle elende
Utopie. Heute stand ich auf einer 2025
Jahre alten Brücke und fühlte mich wie?

Eine überdachte Brücke

Als sich lärmend und pfeifend der Demonstrationszug nähert, packt der Straßenclown seine lustigen bunten Sachen ein und hinkt langsam nach Haus. (Manosque, 7.8.)

Im Schoß der Frau die große blassrote Nektarine.

Auf dem abendlichen Friedhof taucht zwischen Mauer und Grabstein eine Katze auf, mit langen Gliedern streicht sie hervor und legt sich auf die kühle Grababdeckung aus überwittertem Marmor. Sie spielt mit den Kindern, hält Distanz, schnürt dann weiter und scheint zu wissen, dass wir sie für die Seele der vermissten Mutter und Großmutter halten, die uns besucht, weil wir sie besuchen. (Volx, 8.8.)

Verwunschen – die überdachte Holzbrücke über den Largue zwischen Volx und Villeneuve. In all den Jahren, vielleicht Jahrzehnten (so sie eine Vorläuferin hatte), hat niemand aus der Familie die im Schatten zwischen den Uferbäumen stehende Brücke bemerkt. Du warst es, der sie entdeckt hat! Oben auf dem Gipfel auf der Roche amère hast du über die Abbruchkante der Schlossruine in die Tiefe geblickt, hinunter zu dem Flüsschen, das im Winter das ganze Tal überschwemmt hatte. Unten zwischen den Bäumen, die den Largue säumen, hast du die Brücke gesehen, ihr helles Holz, ihr schwarzes Dach, ihre Beine aus Stein. Es ist deine. Dir gehört eine verwunschene überdachte Holzbrücke über den zur Durance hin plätschernden Largue.

Beim Angelusläuten der großen Glocke kurz nach 12 Uhr – man kann sie oben im Turm hin- und herschwingen sehen – ist zwischen den Schlägen kurz immer auch das Seil zu hören, das den Glockenrand entlangschabt und sich sirrend strafft, sobald es freikommt.

Der mächtige Baum – die Fassade der kleinen Waldkapelle zeigt in seiner ganzen Höhe und Breite sein Schattenabbild. (Notre-Dame de Lure, 11.8.)

In der Abendhitze (ja, -hitze!) steigt der Gecko nur wenig schneller als eine Schnecke die Fassade empor in den Schatten der Dachtraufe, und rasend schnell (wie aus Widerstand gegen diese Verlangsamtheit) erinnere ich mich an das Eichhörnchen, das einmal in Barmbek die Hauswand im Innenhof hochwetzte, die nackte, glatte Mauer hinauf und wieder hinunter und wieder hinauf und wieder hinunter, fünfzehn, achtzehn Meter in die Höhe in einem Affenzahn (der Sieg des Erfindungsreichtums über die Schwerkraft), bestaunt von den Leuten, die an die Fenster kamen, um dem flammendbraunen Spektakel mit buschigem Schweif Bewunderung zu bekunden.

Ein erstaunlicher Vers taucht zu Beginn von Jannis Ritsos’ Gedicht „Blockade“ auf, datiert 28.5.68, geschrieben im Gefängnis für politische Häftlinge auf der Verbannungsinsel Leros: „Sich nicht erinnern, / nicht vergessen.“ Ritsos schreibt weiter – aber da ist das Gedicht bereits erneut Narration: „Die Gegenwart – sagt er – welche Gegenwart?“ So die Übertragung (durch Armin Kerker) den Sinngehalt des Griechischen erfasst: Wo, worin sieht Ritsos den Spielraum an der Grenze zwischen Nichterinnern und Vergessen? Eine rein zeitliche Auflösung und Ineinanderführung von Vergangenem, Gegenwärtigem und Künftigem in dem Vers zu lesen, scheint mir zu kurz zu greifen, und auch Ritsos selbst hat die Tragweite der Passage womöglich unterschätzt. (13.8.)

Schreib ein Gedicht, in dem sich an jeden Vers anschließt: „– das ist nicht wahr.“

Die Lyrikerin erzählt, auf Lyrikreisen habe sie stets einen Tauchsieder und eine Tütensuppe im Gepäck. Genau so liest sich, genau so liest sie ihre Lürick. Instantverse. Tauchsieder und Tütensuppe.

Japan – Oil on canvas
David Sylvian – Blemish
David Sylvian – Dead bees on a cake
David Sylvian – Everything and nothing

Aus den Übersetzungen

Emily Dickinson

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Die Nacht – dazwischen Tage lagen –
Der Tag der Gestern war –
War Eins – mit einem Tag von Morgen –
Und jetzt – war Nacht – war’s hier –

Blick sie hinweg – Nacht – wird nicht müde –
Ist wie der Sand am Meer –
Zu unscheinbar die Unterschiede –
Bis nie mehr – Nacht sein wird –

*
Dickinson schrieb das Gedicht um 1862, es erschien erstmals 1945, 59 Jahre nach ihrem Tod, im Band „Bolts of Melody“. Die Bezifferung folgt der Chronologie durch Thomas H. Johnson (1955). Ich übersetzte das Gedicht als Motto meines Romans „Nie mehr Nacht“ (2013), der seinen Titel nach dem Abschlussvers meiner Übertragung erhielt.