Die Lyrik

Traklpark
Traklpark
Gedichte
Schöffling & Co.
Frankfurt am Main 2012
ISBN: 978-3-89561-405-7.
Das Buch
Traklpark heißen Mirko Bonnés neue Gedichte nach einer stillen Innsbrucker Grünfläche am Inn – ein Ort, an dem Georg Trakl oft war, und ein Ort, den Bonné seit 25 Jahren aufsucht, um sich zu fragen: Was hast du mit deiner Zeit angefangen? Was liebst du? Geben deine Gedichte das wieder? Wozu noch Gedichte? Und wie sollen sie aussehen, wenn die Welt kein Aussehen mehr hat?
Mit einem in der Lyrik selten gewordenen Ernst lotet Bonné für ihn lebenswichtige Fragen aus. Gedichte von Reisen durch Europa, Asien und Amerika spiegeln Kindheitsbilder und Landschaftserkundungen. Porträts und Anverwandlungen widmen sich Bobrowski, Dickinson oder Huchel. Neben neuen Gedichten versammelt Traklpark unveröffentlichte aus drei Jahrzehnten. Somit ist Mirko Bonnés fünfter Gedichtband zwar eine Inventur, jedoch nicht die eines Nostalgikers.
Gedichte als grüne Lungen inmitten der Sprachen des Alltags und der auf uns einstürzenden Diskurse – der Traklpark ist ein Park der Bedeutungen.

Gettysburg

Ein Knie, ein Arm, im Gras ein halbes Ohr,
wo die Zerfetzten lagen, die schon Toten,
aufgebläht, zerpflückt von Krähen Pferde,
wo Blut in Lachen stand, in denen morsch,
kaputt, ein Sterbender ertrank, wächst jetzt
bei leichtem Wind in dicken Büscheln Gras.
Und in der Luft sind Hummeln und Libellen.
Berberitzen, es gibt Büsche, Flieder, Hasel,
tief unterm Gras erinnert sich die Wurzel,
dass es sie gab, an ihren Duft im Sommer,
wo über Baltimore ein Abfangjäger jetzt,
der weder steigt noch fällt noch dreht, nur
steht. Die Zeit fing Feuer, und brennt noch.
Vom Highway 15 her rauscht Fernverkehr.
Siebenhundert Grad heiß war die Juliluft.

Traklpark wurde ins Kroatische übersetzt:
Traklpark Novi prijevodi, Brčko / Bosnien und Herzegowina 2015. Übersetzung: Mirko Božić

Die Stimme
Bonné geht ein Bündnis mit dem Leser ein. Indem er die Stationen der eigenen Biografie in Szenen, Bildern und Fragen einkreist, lädt er ein zum Dialog über Liebe und Tod, Einsamkeit und das Bedürfnis nach zwischenmenschlicher Nähe. Menschen in archetypischen Situationen, zwischen Scheitern und Neubeginn, wandern – gleich seinem lyrischen Alter Ego – durch die Landschaften mehrerer Kontinente. Die Figuren wirken durch ihre sparsam skizzierten Gesten plastisch und stehen doch für Jedermann.
Dorothea von Törne, Literarische Welt

 

Die Republik der Silberfische
Die Republik der Silberfische
Gedichte
Schöffling & Co.
Frankfurt am Main 2008
ISBN 978-3-89561-402-6.
Das Buch
Die Republik der Silberfische versammelt Gedichte aus sechs Jahren, einer Zeit, von der nichts blieb, wie es war: ein Haus, ein Garten, eine ganze Landschaft lösen sich vor den Augen des Lesers ebenso auf wie die Liebe, die sie einmal zusammenhielt. Bonnés Abschiedsgedichte bilanzieren und fragen, was dennoch bleibt. Der Zyklus Die Taubenuhr stellt den Übergang zum Leben in der Stadt dar, hat zum Thema aber auch die Zeit, Vergänglichkeit, Kindsein und Älterwerden. Zwei weitere Abteilungen öffnen den Raum: Gedichte über Orte, bereist und beschrieben in geographischer Folge. Beginnend in Hamburg führt die Reise bis an die finnische Grenze, dann über Sankt Petersburg, Berlin, Prag und Wien nach Irland, Südamerika bis zum südlichsten Postamt der Welt in der Antarktis. Welche Abgründe warten in der Vertrautheit? Liegt in der Offenheit eine Heimat?

Sommerwind

Als ich in den zwei Hohlwegen nach Spuren suchte,
fand ich keine: In der Mulde das zerrissene Kabel
lag nicht mehr da. Die Tragtasche, voller Stricke,
das abgestreifte Paar Schuhe, von dem man las,
lang in Verwahrung. Wespen in den Hortensien.
Die Brombeerhecke. Heruntergelassene Rollläden.
Das Licht in der Garage seit Tagen und die Geräte,
liegen geblieben im Garten, alles ließ sich deuten
als Schmerz derer am Leben. Sommerwind, heiß,
und ich fand die Namen, sie waren reines Feuer.

Die Stimme
Es geschieht dem Leser häufig in diesem Band, daß er von Gedicht zu Gedicht geführt wird. Die Teile des Bandes bilden keine Zyklen im engeren Sinne, aber die Gedichte sprechen miteinander, und wer dem Gespräch der Texte zuhört, versteht Zusammenhänge, die ihm zunächst rätselhaft erscheinen. Bonné verfügt über eigene und öffentliche, über seine und unsere allgemeine Öffentlichkeit. Seine Horizonte sind weit.
Herbert Wiesner, Die Welt

 

Hibiskus Code
Hibiskus Code
Gedichte
DuMont, Köln 2003
ISBN 3-8321-6001-9.
Das Buch
„Hibiskus, Held, es wird Zeit: so zu blühen” – Mirko Bonnés Gedichte treten auf wie die Blüten des Hibiskus, die sich in strenger Folge eine nach der anderen entfalten, öffnen und verblühen, um so einmalige Reihen und Übergänge zu schaffen. In bezwingend eigenwilligen Äußerungen hebt Bonné die Gegenstände des täglichen Lebens, die Begebenheiten und Erinnerungen in eine „sinnliche Schwebe“ (Frankfurter Rundschau). Hier sein Gedicht über Georg Trakls Aufenthalt im Spätsommer 1913 in der italienischen Sommerfrische:

Elis in Venedig

1913 stehen Elis und ein Lancia
am Meer, Elis im einteiligen Badeanzug,
schwarz, und im Kopf Kokain. Immer ein Bild:
Zwei Rappen schwimmen und ertrinken.
Er starrt eine Zeit abwesend
auf das blausilberne Automobil,
der Lancia umlagert von Buben
in der Sonne der Lidostraße.
Bis Loos-Luzifer ruft: „Chianti!“
und eine Hand Sand wirft.
Lässig geht er mit, sie fahren.
Sein Zimmer starrt von Insekten.
Er rennt sofort wieder hinaus,
durchs Gras über dem Steinstrand,
und rennt zwei Badegäste um
im Glauben, er habe ein Messer.
Im nächsten Augenblick,
eine einzelne weiße Hand
flöge ihm hinterher, die
Steilküste lang.

Die Stimme
Bonné schreibt Gedichte, die zwei sehr gegensätzliche Essentialien der Poesie verbinden: Evidenz und Mehrdeutigkeit, das Alltagsdetail und das Vexierbild. Es ist eine Dichtung, der das Ungesicherte, das Fragwürdige allein als gesichert gilt. Diesen lyrischen „Fakten-Märchen“ ist zu trauen.
Michael Braun, Frankfurter Rundschau

 

Gelenkiges Geschöpf
Gelenkiges Geschöpf
Gedichte. Mit künstlerischen
Arbeiten von Andreas Schwarz
Umschlag geprägt von
Margot Saak-Bitterling
Rospo, Hamburg 1996
ISBN 3-930325-13-6.
Das Buch
Gelenkiges Geschöpf versammelt Gedichte der ersten Hälfte der Neunzigerjahre. Landschaft, Stadt, Liebe und Zweifel sind die Themen von Mirko Bonnés erster größerer Gedichtsammlung im liquidierten kleinen Hamburger Verlag ROSPO. Der Autor ist mittlerweile alleiniger Vertreiber der Erstauflage. Schreiben Sie ihm, wenn Sie ein Gelenkiges Geschöpf erwerben möchten. Hier das Abschlussgedicht des dreiteiligen Bandes:

Wilmersdorf

In der Küche verjubeln
Einwegverpackungen
allen dunklen Inhalt.
Blick vors Fenster. Tiefgefroren Blumen –
und dort ist Einer
müde Erscheinung.

Hör, Kerl! Fasse sie recht!

Müde und Erscheinung
von so verbauter Zeit?
Das wär deine Sorge?
Die Menschen sind doch alle Magneten –
ihren Polen entgegen
fliegt ein unruhiger Kopf.

Hör, Kerl! Fasse sie recht!

Die Stimme
Zwischen „Homevideo” und „Horizontbäumen” erstreckt sich das Gelände, das Bonné schreibend durchquert. John Keats, dessen Werke er jahrelang übersetzte, Georg Trakl und E. E. Cummings sind seine berühmten Weggenossen. Bonnés Lyrik verweigert sich bewußt jeder formalen Zuordnung, ohne dabei jemals formlos zu sein.
Jan Bürger, taz
Der Gedichtbandtitel „Gelenkiges Geschöpf“ enthält einen verdeckten poetologischen Hinweis auf eine offene, flexibel und variabel gehaltene Schreibpraxis, die den Auftakt bildet zu einem mehrere Bände umfassenden lyrischen Werk.
Hermann Korte, Kritisches Lexikon der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur

 

Langrenus
Langrenus
Gedichte. Mit Zeichnungen
von Jürgen Abel. Umschlag geprägt
von Margot Saak-Bitterling
Einmalige handsignierte
Auflage von 250 Exemplaren
Rospo, Hamburg 1994
ISBN 3-930325-02-0.
Das Buch
Langrenus heißt ein Krater auf der erdabgewandten Seite des Mondes. Mirkos Bonnés Lyrikdebüt ist eine poetische Ortsbegehung, eine „Erörterung am verkehrten Ort”. Der Band erschien in einer einmaligen Auflage von 250 handsignierten Exemplaren. Sie ist seit geraumer Zeit vergriffen und Sammlerbeute. Hier eines der zentralen Gedichte:

Rekonstruktion

Inzwischen
war Winter
und dicht

wie die Eule
nachts der Straße
sich nähert

trennend das Haus
vom Feldrand
morgens der Nebel.

Zweifel an Zeichen
im Erdreich
gehen vorüber.

Und hohle Röhren
aus rotem Ton
verbinden uns alle.

Und wir kennen
den Weg des Wassers
das wir trinken

Schnelligkeit
und
Gefälle

vom Talsee
bis in die
Mundhöhle.

Die Stimme
Dieser Dichter hat seine eigene Wallfahrt.
Fritz Rudolf Fries, Süddeutsche Zeitung