Der Wind akzeptiert kein Hindernis

Der Wind akzeptiert kein Hindernis. Aber der Wind bleibt unsichtbar ohne Hindernisse. Und für den Wind ist ein Tag vor 137 Jahren so vergangen wie der Augenblick vor zwei Sekunden. (Marseille, 29.3.)

Die US-amerikanische Pianistin, die dich an van Goghs gelbem Haus anspricht, wurde vor 40 Jahren nach Arles eingeladen, um hier ein Konzert zu geben – das nie stattfand. Sie blieb hier und verlor mit der Zeit alles, auch ihr Klavier. Vincents gelbes Haus wurde abgerissen, es existiert nur noch auf seinen Bildern davon und in der Vorstellung von Leuten wie dir und der Pianistin in Arles.

Nach sechs Monaten Winter wird es Frühling. Zuerst bemerken es die Bäume, die ihre Knospenaugen aufschlagen, dann die Kinder, die tschilpen und rufen wie Vogelmelder, wie Meldevögel. Ein Mädchen geht vorbei und hat ihre rote Sportjacke um die Hüfte gebunden. (2.4.)

Dem Kind ist in der Schule verboten, Kaffee zu trinken, deshalb wünscht es sich einen nachfüllbaren Becher, aus dem sich heimlich trinken lässt. Sobald das Kind unterwegs zur Schule ist, hechte ich aus dem Haus und kaufe so ein Geheimhaltungsgefäß.

„Meine Erziehungsambitionen …“, sagt am Nebentisch eine junge Mutter und verstummt, als ich ungezogen lache.

Neuheit – die Einhornenten!

Vor dem Altglascontainer: Einer holt lauter leere Weinflaschen aus einem Rollkoffer und versenkt sie mit einer Hand, während die andere das Handy hält, in das er erzählt. Ich wünschte, ich wäre ein praktischer Mensch.

Franz Fühmann – 22 Tage oder Hälfte des Lebens
Hermann Lenz – Freunde

Zwei Fahrräder kommen unter dem Balkon vorbei. Sie zu ihm: „Ist vielleicht die Dichtung nicht auch Dokument?“ Er schweigt.

„Kaffee, eine magische, dunkle Substanz, hilfreich dabei, die Leute energischer zu hassen“ steht auf dem T-Shirt des Ziehsohns.

Warum redet immer nur einer oder eine auf den beiden Fahrrädern, wenn sie nachts vorbeifahren?