Ein Lastwagen voller Weintrauben, vor einer Wand mit einer Zeichnung von einem Kleinkind, das einen Wolf mit Beeren füttert
„Hang Zhou“ – „Ort, den du nur mit dem Boot erreichst“
„Kaiserlicher Garten mit den singenden Pirolen in der Trauerweide“, ich sah dort wirklich einen Pirol: Gelber Pfeil, der schimpfend aus der Baumkrone floh, als ein neuer Pulk mit Plastiktrillerpfeifen bestückter Ausflügler anrückte – „Look the lotus!“
Iss Ginkgoherzen, und du erinnerst dich der Bäume im „Brisendurchwehten Zickzackhof des Lotus“.
Kleine Wolke, knapp überm Boden, woher? Weihrauchwölkchen, woher kommst du? Da steht ein winziger Blechkormoran, Hals und Schnabel dir entgegengereckt, und hält ein Stäbchen. Fisch wird Wolke, Wolke wird Vogel, alles zieht davon.
Zufall, Sprache der Welt!
Der Bettler mit den großen Zähnen und lächelnden Augen, von dem ich träumte, weil ich ihm gestern am See fünfmal nichts gab, – im Steingarten des reichen Mannes steht er wieder vor mir und nimmt lächelnd, endlich, seinen Schein (Garten von Hu Xueyan, Hangzhou, 13. September).
Fotos: Residenz von Hu Xueyan, Hangzhou,
junger Apotheker, Museum für Traditionelle Chinesische Medizin, Hangzhou
„Das Gemälde Out of Beichuan stellt die gebrochene Erde, das Überleben der Menschen und die Ungewissheit der Zukunft dar. Der zerstörte Boden bildet den Hintergrund. Zwar ist die Natur zerbrochen, doch sie ist mit ganzem Herzen gemalt. Die tote Natur ist der eigentliche Hintergrund. In Beichuan sehen wir am Kampf von Mensch und Natur, dass die Menschen und die von ihnen errichtete Welt besiegt wurden. Was macht die Darstellung einer solchen Niederlage sinnvoll? Wenn man den Boden betrachtet, gibt es dort noch Wege. Aber da ist kein Weg in die Berge mehr, nur noch ein Weg nach außen. Die Menschen sind Dämonen in einer Ecke des Bildes, eine Gruppe kranker Zombies. Der Künstler quetscht uns aus: Wo ist der Ausweg? Bereits vor dem Nahen des Lebensendes sollte man nachdenken, dazu gibt ein Erdbeben die Gelegenheit. Was die Künstler heute machen sollen, ist nicht, wie Hexen, religiöse Rituale für uns durchführen oder Feng-Shui betreiben, um uns zu helfen, der großen Katastrophe zu entgehen. Sondern sie sollen das unausbleibliche Endergebnis solcher Katastrophen in die Länge ziehen, glattbügeln und lebensecht vor die Zuschauer stellen, vielleicht sogar noch heftiger machen, sodass wir gezwungen werden, es deutlich zu sehen, damit uns die Hilflosigkeit irgendwann tapferer macht.“
„Straßen in Shanghai // … Ich bin umgeben von Schriftzeichen, die ich nicht deuten kann, ich bin durch und durch Analphabet. / Doch ich habe bezahlt, was ich mußte, und habe für alles eine Quittung. / Ich habe viele unleserliche Quittungen gesammelt. / Ich bin ein alter Baum mit welkem Laub, das noch dranhängt und nicht zu Boden fallen kann. // Und ein Hauch von der See bringt all diese Quittungen zum Rascheln …“ (Alsterdorf, ein paar Tage vor dem Flug nach China, 1. – 3.9.)

