Auf einer bogenförmigen Antennenkonstruktion ist über der Straße eine in jede Richtung schwenkbare Videokamera installiert. Sie verfolgt Passanten, die sich auffällig (abfällig) verhalten, minutenlang. Sie ist das Auge eines unsichtbaren Überwachers mitten im erlaubten Geschehen (9.9.). Fordere seinen Blick heraus!
In der Hocke sitzend (die Entspannung), in der einen Hand die Zigarette (die Befriedigung), die andere mit Handy am Ohr (die Vernetzung) – Händler vor ihren Läden, zu Hunderten, Tausenden.
Wohltat linder Wind – woher kommt er? In welche Richtung blick ich? Er ist nur der Vorbote des Regens, und der nur das zitternde Weichen der Wolken vor dem einherprasselnden Gewitterdrachen.
Wieder Nacht, die Stille im Lärm: Für den Wohnturm gegenüber wird eine Rolltreppe geliefert.
„Straßen in Shanghai // … Ich bin umgeben von Schriftzeichen, die ich nicht deuten kann, ich bin durch und durch Analphabet. / Doch ich habe bezahlt, was ich mußte, und habe für alles eine Quittung. / Ich habe viele unleserliche Quittungen gesammelt. / Ich bin ein alter Baum mit welkem Laub, das noch dranhängt und nicht zu Boden fallen kann. // Und ein Hauch von der See bringt all diese Quittungen zum Rascheln …“ (Alsterdorf, ein paar Tage vor dem Flug nach China, 1. – 3.9.)


